 |
Vieles
wurde über die Entstehung der Rasse geschrieben.
Fest steht, dass der Boerboel seinen Ursprung
in Südafrika hat. |
Wenn man vom Kap der Guten Hoffnung
Redet müsste man als erstes die Portugiesen nennen,
da sie als alte Seefahrernation das Kap als erstes
entdeckten jedoch diesen Strategisch wichtigen Punkt
nicht weiter ausbauten oder nutzten. Dies taten schließlich
die Holländer. Namentlich erwähnen muss
man hier den ersten Kap-Verwalter Jan van Riebeck
aus Holland, der als Kaufmann bei der Ostindischen-Company
den Auftrag bekam, eine Festung, eine Versorgungsstation
und ein Krankenhaus am Kap der Guten Hoffnung aufzubauen.
Am 06. April 1652 erreichten die ersten zwei von insgesamt
fünf Schiffen die Tafelbergbucht. Sein Vorschlag,
Bauern in der Umgebung von Kapstadt anzusiedeln, fand
regen Zuspruch. In erster Linie kamen die Siedler
(Freibürger, Bauern) aus Holland, Belgien, Frankreich(Hugenotten)
und Deutschland. Später aber auch aus Spanien
und Portugal teilweise auch aus Brasilien. All jene,
die ans Kap kamen, brachten ihre besten Hunde mit.
Hunde die die lange und Strapaziöse Überfahrt
nicht überlebten wurden bei Landgängen gegen
Einheimische Hunde ersetzt. Diese mittelgroßen
bis großen kräftigen Hunde, hatten in erster
Linie die Aufgabe, die Herden, Farmen und Familien
zu schützen. Teilweise wurden sie auch für
die Jagd eingesetzt. Im Laufe der Zeit kam es immer
wieder zu Kreuzungen der einzelnen „Hunderassen“,
auch mit den einheimischen Hunden der Hottentotten,
die sich bereits schon sehr gut an das Leben in Afrika
angepasst hatten. Durch diese Kreuzungen bekamen die
Hunde immer wieder neue frische Gene, was auch mit
Sicherheit dazu beigetragen hat, dass diese Hunde
durch diesen breit gefächerten Genpool kaum krank
waren. Leider ist dies heute bei vielen Rassehunden
durch die praktizierende Linienzucht (Inzucht und
Inzestzucht) nicht mehr der Fall. Mittlerweile gibt
es bereits nachweislich 450 Erbkrankheiten. Im Jahre
1938 wurden die ersten Bull Mastiffs zur Bewachung
der Diamantminen nach Südafrika importiert. Auch
diese Verpaarten sich wieder mit den bereits vorhandenen
Hunden. Seit 1955 sind diese Kreuzungen in Südafrika
als Boerboel bekannt. Von denen einige bei Herrn Dirk
van Niekerk zu finden waren. Ebenso wie bei den bereits
verstorbenen Herrn Kotie Truter bei Witkoppe und Jaap
van Niekerk aus Dwarsspruit, die diese „Rasse“
ebenfalls schon züchteten. Eine wichtige Rolle
in der Entwicklung der Boerboelzucht spielte auch
Herr Johan de Jager aus Utrecht (Natal), der im Jahre
1960 mit der Boerboelzucht begonnen hat. Er war auch
derjenige, der die Initiative ergriff und sich für
die Gründung der SABT (South African Boerboel
Telersvereniging) einsetzte. Das erste Mal wurde der
Boerboel im Jahre 1995 in Europa, auf der Welthundeausstellung
in Brüssel (Belgien) der Öffentlichkeit
vorgestellt. Am 18. Juni 1995 fand die erste Bewertungsschau
in Venlo (Holland) statt. Im Herbst 2002 wurde der
Boerboel das erste Mal in Deutschland präsentiert.
Ein Jahr später fand in der Nähe von Ludwigshafen
die erste Bewertungsschau statt. Zusammengefasst kann
man sagen, dass der Boerboel aus den Kreuzungen verschiedenartiger
Bauernhunde, Metzgerhunde, Herdenschutzhunde und Jagdhunden
hervorgegangen ist. Seine Aufgaben bestanden damals
wie heute darin, die Grundstücke, Herden, Farmen
und Familien zu schützen. Leider wird diese in
erster Linie als reine Wach- und Schutzhund gezüchtete
Hunderasse auf sehr vielen Südafrikanischen und
Europäischen Internetseiten als „lieber
Familienhund“ angepriesen, die dafür gezüchtet
wurden, um auf Kinder aufzupassen oder, dass sie sich
mutig und furchtlos dem Eindringling ohne Aggression
entgegenstellen sollen usw. Diese angedichteten Eigenschaften
sind kynologisch gesehen nicht haltbar und dienen
letztendlich nur dem einen Zweck möglichst viele
Welpen an den Mann bzw. der Frau zu bringen. Bedenkt
man, dass sich diese Hunde in Südafrika Löwen,
Hyänen oder Leoparden ebenso entgegenstellen
mussten wie den Dieben die versucht haben in die Farmen
und Häuser einzudringen, so können die beschriebenen
Charaktereigenschaften nicht zutreffen. In den meisten
Fällen hätten diese Hunde und auch ihre
Besitzer ihr Leben verloren, wenn sich die Hunde mutig
und furchtlos noch dazu ohne Aggression einem Rudel
Löwen oder Hyänen oder den Dieben die in
die Farmen einbrechen wollten gegenüber gestellt
hätten. Viel mehr so glauben wir, und dies hat
uns auch Herr Gerd Leder, einer der besten Rassespezialisten
bestätigt, wurde der Boerboel danach ausselektiert
allen Fremden gegenüber misstrauisch, vorsichtig
und Wachsam zu sein. Bei dem geringsten Anzeichen
einer potentiellen „Gefahr“ sollte er
sofort anschlagen. Was man auch in seiner niedrigen
Reizschwelle wieder findet. Durch dieses Misstrauen
und die niedrige Reizschwelle würde der Boerboel
in Europa als charakterschwach bezeichnet werden.
In Südafrika war und ist dieses Verhalten überlebenswichtig.
Kopie nur mit ausdrücklicher Genehmigung des
Verfassers Rudi Kainer
|